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Nachrichten Wiesbaden 27.02.2016 GWW organisiert in Wiesbaden Kinderfest für Flüchtlinge im Simeonhaus

Von Hendrik Jung

WIESBADEN - Es sind nicht alle der rund einhundert Kinder und Jugendlichen gekommen, die in der Notunterkunft im Simeonhaus leben. Dennoch geht es ausgesprochen lebhaft zu beim Kinderfest, das Mitarbeitende der Wiesbadener Wohnbaugesellschaft (GWW) organisiert und Unternehmen finanziell unterstützt haben.

Lange Schlangen bilden sich am Stand von Vanessa Redlbach, um sich eine Schildkröte, einen Skorpion, einen Schmetterling oder eines der zahlreichen weiteren Motive als Airbrush-Tattoo auf den Arm bannen zu lassen. Genauso groß ist der Andrang bei Sandy Eyring, die aus Ballons Figuren knotet. Dort stehen Blumen und Säbel hoch im Kurs. Schnell tragen die Jungs damit heiß umkämpfte Duelle im Saal aus. Die Mädchen scharen sich unterdessen um Nabila Aouragh, die mit einer Tülle golden glitzernde Henna-Tattoos auf deren Handrücken entstehen lässt.

Die gebürtige Wiesbadenerin mit marokkanischen Wurzeln kann sich mit ihren Kundinnen auf arabisch unterhalten. „Das ist wunderschön“, übersetzt sie den Kommentar der zehnjährigen Amina, während sie grazile Blüten, Blätter und Ornamente gestaltet. Eine Kunst, die die junge Syrerin bis jetzt nur aus dem Fernsehen gekannt hat.

Genau so geht es dem siebenjährigen Arsalan mit dem Breakdance. „Das war ganz schön schwierig“, urteilt der junge Afghane in deutscher Sprache, nachdem er einige Zeit mit Tobias Schuster getanzt hat. Der Breakdancer braucht nicht unbedingt Sprache, um mit dem halben Dutzend Kinder zu arbeiten, die ihn gerade umringen. Gebärden und Geduld reichen, um ihnen Figuren und Schritte zu demonstrieren. So lehnt er sich aus der Hocke immer weiter zur Seite, bis sein Gewicht auf den Händen ruht und sein Kopf den Boden berührt. Vor allem der elfjährige Riad macht den „Baby-Freeze“ sofort richtig gut nach.

Auch Senioren freuen sich

Zur großen Freude von zehn der Seniorinnen und Senioren, die auf dem Gelände des Simeonhauses wohnen. „Wir sind eingeladen worden und ich wollte es mir mal anschauen und mit den Kindern zusammen sein“, sagt Annemarie Weiß. Auch wenn es mit der Sprache schwierig sei, so könne sie sich mit ihnen doch mit Händen und Füßen immer irgendwie verständigen. „Wir kommen gut aus, auch wenn manchmal was Blödes passiert. Einmal ist mein Rollator im Wald gefunden worden“, berichtet die 81-Jährige. Trotzdem freut sie sich an dem bunten Treiben um sie herum.

Das ist Bernadette von Nitzsch zu verdanken. „GWW-Mitarbeiter haben auch schon mit den Kindern gebastelt oder Essen ausgeteilt. Jetzt wollten wir mal was Außergewöhnliches machen“, erläutert die Referentin der GWW-Geschäftsführung wie es zu dem Kinderfest gekommen ist. Woche für Woche gibt es Angebote von Ehrenamtlichen, die mit den jungen Geflüchteten malen, Deutsch lernen oder turnen. Unter anderem von einem Frauen-Netzwerk aus verschiedenen Kirchengemeinden. Sie helfen während des Festes bei der Betreuung und bekommen von den jungen Damen stolz die frisch gestalteten Henna-Tattoos präsentiert.

Weiße Kleider in drei Farben Mit enger Taille, mit Spitze. Ganz schlicht. Oder mit Schleppe, im „Süperservice“ schnell genäht. Aus der Welt der Brautmode.

04.08.2012, von Dorothea Friedrich, Frankfurt/ FAZ

 

„Man kennt sich ja heutzutage auch schon so lange“

Auch Angelika Platte hat festgestellt, dass die Suche nach einem Brautkleid eine absolute Ausnahmesituation ist. Frauen, die sich sonst eher sachlich und zweckmäßig minimalistisch kleiden, kosten das Vergnügen, Braut spielen und sein zu dürfen, bis zur Neige aus. Das Wort „Liebe“ taucht in all den Erörterungen von Braut, Gefolgschaft und Designerin nicht auf. Eher wird die Wahl des Kleids als ein Punkt auf einer langen Liste abgehakt, zu der Gästeliste und Sitzordnung genauso gehören wie der Junggesellinnenabschied, der heute leicht in eine gemeinsame Reise ausarten kann. Von sämtlichen Location- und Catererproblemen ganz zu schweigen, vulgo: Wo feiert und was isst man.

„Man kennt sich ja heutzutage auch schon so lange“, meint Angelika Platte. Die meisten halten das zu Unrecht für eine neue Entwicklung. Tatsächlich war es bis zum 19. Jahrhundert üblich, sich zunächst zu verloben, nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag, sondern für Jahre, und dann erst kam irgendwann die Hochzeit und irgendwann auch der Pfarrer in Mode. Der englische Priester, Theologieprofessor und Autor von Sexualratgebern Adrian Thatcher macht sich über den angeblichen Meilenstein Trauung lustig. Im 18. Jahrhundert seien die Hälfte aller amerikanischen und englischen Bräute schwanger gewesen. „Wenn Christen der Meinung sind, die Ehe beginne mit der Trauung, leiden sie an kollektiver Amnesie“, schreibt er in einem Aufsatz für die Zeitschrift „Crucible“. Doch der Wunsch nach Jungfräulichkeit versucht sich immer noch durchzusetzen, in manchen Bevölkerungsgruppen in den USA geschlechterübergreifend, in muslimischen Ländern zum Nachteil der Frau, deren weißes Leintuch nach der Hochzeitsnacht befleckt zu sein hat. Westliche Bräute bevorzugen es, vor dem Schoß blutrote Brautsträuße zu tragen, die sie dann spöttisch rückwärtsgewandt in die Menge werfen.

Bizarr erscheinen uns die marokkanischen Riten, die die Braut auf einen Thron verbannen, auf dem sie dann am „Hennaabend“ am Tag vor der Trauung geschminkt und geschmückt wird. Für die Braut und ihre Freundinnen ein Riesenspaß, sagt die temperamentvolle Nabila Aouragh, die mit einer Freundin das Studio Paris betreibt und solche Abende im Rhein-Main-Gebiet organisiert. Sie verleiht traditionelle orientalische Brautmode, Schmuck und prächtige Verlobungskleider („Für afghanische Frauen nur in Grün“), weiß, dass eine geschiedene Frau als Hennamalerin unerwünscht ist. Das soll Unglück bringen. Wieder die vorsichtige Frage: Und woher kennen sich Braut und Bräutigam? „Aus dem Internet.“

Hennakünstlerin
Hennakünstlerin

Wiesbaden extra 

Blumenmuster auf der Wade - Hennamalerin Nabila Aouragh malt auf (fast) alles

10.12.2009 - WIESBADEN

Von Julia Anderton

Wer malt, greift meist zu Papier, Pinsel und Aquarellfarben. Im Fall von Nabila Aouragh sieht die Sache etwas anders aus: die 22-Jährige arbeitet mit einer Spritztüte, gelegentlich darf es auch mal eine Spritze mit stumpfer Nadel sein, wenn eine besonders zarte Linienführung gewünscht ist.

Gefüllt ist ihr Arbeitsinstrument mit Hennapulver, das in Verbindung mit ätherischen Ölen für einen satten Braunton sorgt - der ist nicht nur gut sichtbar, sondern auch verträglich, schließlich zeichnet die junge Wiesbadenerin in erster Linie dekorative Blumenmuster auf weibliche Haut.

Etwa zwanzig professionelle Hennamalerinnen gibt es bundesweit und Nabila Aouragh ist eine von ihnen. Unterwegs ist sie in erster Linie im Rhein-Main-Gebiet, wo sie vor allem auf Hochzeitsfeiern, Empfängen anlässlich der Geburt eines Kindes oder beim islamischen Zuckerfest im Einsatz ist. "Es gibt verschiedene Muster, typisch sind die aufwendigen Blumendekors, bei denen das eine in das andere übergeht und mit feinen Punkten und Linien vollendet wird.

Hände und Füße werden am häufigsten verziert

Meistens werden die Hände und Füße bemalt, im Sommer sind auch die Waden dafür beliebt", erzählt sie. "Die Eine oder Andere wünscht aber auch mal den Namen ihres Ehemannes über dem Bauchnabel oder auf der Brust." Um eine Hand zu bemalen, benötigt sie etwa eine Viertelstunde. Es dauert dabei nur wenige Minuten, bis das Muster zu sehen ist. Je länger man das Henna auf der Haut einwirken lasse, desto stärker die Haltbarkeit der Zeichnung - im Durchschnitt etwa zwei Wochen.

Auch auf kulturellen Benefizveranstaltungen ist Nabila Aouragh des Öfteren vertreten. "Hier ist die Nachfrage bei den deutschen Gästen oft sehr groß", freut sie sich über das Interesse. Schließlich ist sie so auch ein Stück weit Botschafterin der marokkanischen Kultur, denn in der früheren Heimat ihrer Eltern war sie schon als kleines Mädchen im Urlaub wiederholt mit der Hennamalerei in Berührung gekommen. "Ich mochte den Duft und die wunderschönen Muster, von denen keines dem anderen glich", erinnerte sie sich.

Mit gerade mal elf Jahren legte sie sich die erste Hennaspritze zu und setzte das Gesehene in die Tat um. "Es lag mir so, dass meine Muster schon von Anfang an gut aussahen. Mit der Zeit habe ich dann den einen oder anderen Trick gelernt." Ihr gefällt nach wie vor das hohe Maß an Kreativität, denn "man kann nichts vorbereiten. Die Farbe wird ohne Vorlagen direkt aufgetragen, was dabei rauskommt, sieht man erst zum Schluss. Hennamalerei ist eine Kulturtechnik, die nur wenige beherrschen, aber es gibt keine Regeln, nach denen gemalt werden soll. Das ist spannend, jede Hennamalerin hat ihre eigene Handschrift."

Warme Farben

Seit einigen Monaten malt Nabila Auouragh ihre Blumenelemente nicht mehr ausschließlich auf Haut, sondern nutzt auch Leinwände für ihre Kunst. "Das Henna lässt sich mit arabischer Kalligraphie in warmen orientalischen Farben sehr gut kombinieren", hat die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau bemerkt. "Auf Papier male ich natürlich auch oft, allerdings eher unbewusst. Andere zeichnen Strichmännchen, bei mir sind es immer Blumenmuster."

Zur Zeit arbeitet die junge Künstlerin hauptberuflich als Vertriebsassistentin, von der Hennamalerei allein kann sie nicht leben - und das will sie auch gar nicht: "Es ist eine Leidenschaft, die ich nie aufgeben könnte und die mich nicht vergessen lässt, woher ich komme."

 

Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/wiesbaden-extra/img8018781.htm

SWR - Maimarkt Mannheim 01.Mai 2011